Schadstoffe aus Bodenbelägen – Teil 4: Von Wolle bis Jute
Textile Bodenbeläge sind unbedenklich – dachten Sie? Dann liegen sie mitunter falsch, ganz abgesehen von der allergenen Wirkung, können sich unerwartete Stoffe in schönen Belägen aus Schurwolle, Jute oder Sisal verbergen. Auch hier gilt: nicht immer, aber sie kommen vor. Teil 4 unserer Serie „Schadstoffe aus Bodenbelägen“ enttarnt die versteckten Übeltäter.
Was Motten tötet, härtet den Menschen nicht ab.
Schurwolle, Jute und Sisal sind reine Naturprodukte und empfehlen sich alleine deshalb für die häusliche Nutzung, zum Beispiel als Teppich. Grundsätzlich stimmt das. Wussten Sie aber, dass gerade Schur-Wolle mit pestiziden Wirkstoffen belastet sein kann? Der Grund: Schurwolle ist während der Lagerzeit und des Transportes enorm gegen Mottenbefall anfällig. Und darum wird sie mit Mottenschutzmitteln bearbeitet. Diese Wirkstoffe verbinden sich zwar fest mit dem Gewebe, was ihre Schutzwirkung untermauert, werden aber über den Teppich-Faser-Abrieb freigesetzt und verbinden sich dann mit dem gewöhnlichen Hausstaub. So gelangen sie in den menschlichen Organismus. Der Haken: Pestizide sind Nervengifte. In zu hoher Konzentration schädigen Sie das menschliche Nervensystem.
Eines der wirksamsten Mottenschutzmittel ist Permethrin. Nimmt der Mensch diese Substanz über den Hausstaub in zu hoher Dosis auf – bei erhöhtem Staubaufkommen ist das schnell passiert – führt das leicht zu Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen und im Extremfall zu Nervenschäden.
Übrigens:
Das Siegel „Schadstoff-geprüft“ vermittelt unter Umständen eine trügerische Sicherheit. Denn es bedeutet lediglich, dass nur zugelassene Stoffe verwendet werden. Es verschweigt nämlich, dass eine Behandlung von Teppichböden mit Permethrin teilweise ausdrücklich vorgeschrieben ist.

Photo: iStockphoto.com/RandyHayashi
Robuste Alternativen
Grundsätzlich sind mit pestiziden Mitteln behandelte Teppichböden – übrigens auch aus Wolle, die das Woll-Siegel des Internationalen Wollsektretariats oder gar das Siegel der Europäischen Teppichgemeinschaft tragen – für Kinderzimmer und Räume, in denen sich sehr sensible Menschen aufhalten, nicht geeignet. Kinder bewegen sich sehr stark in Bodennähe und nehmen den Abrieb unmittelbar auf. Ihr Immunsystem befindet sich noch im Aufbau. Das macht sie gegen Schadstoffe ganz besonders anfällig.
Robuste Alternativen zu Schurwoll- und Wollteppichen sind Beläge aus rein pflanzlichen Stoffen, wie Jute, Kokosfaser und Sisal. Diese stark strapazierbaren Böden werden in einigen Fällen zwar auch mit pestiziden Mitteln behandelt. Eulanisiert werden sie aber nicht, sprich: Das Mottenschutzmittel Eulan wird nicht intensiv aufgetragen.
Wichtiger Hinweis:
Auch dieser Teil unserer Serie beschreibt Fakten, die auftreten können, nicht in jedem Fall müssen. Es gibt eine reichliche Auswahl an tatsächlich gesunden und absolut unbedenklichen Schurwoll- und Wollteppichen. Fragen Sie beim Kauf einfach ganz konkret nach den verwendeten Stoffen. Lassen Sie sich unter Umständen auch Zertifikate zeigen.
Textile Böden für Allergiker ungünstig
Textile Bodenbeläge bringen Natur in das Haus, schaffen eine gemütliche Atmosphäre. Aber: Sie ziehen Staub förmlich an, weil sie insgesamt eine deutlich größere Oberfläche bieten. Das heißt auch: Schadstoffe, die mit Staub eine Verbindung eingehen können, treten, wenn sie vorhanden sind, bei textilen Belägen intensiver auf. Gleiches gilt für Schimmelsporen, Pollen und Feinstäube, die an der Teppichstruktur wunderbar haften können. Darum sind diese Böden für Allergiker und auch für kleine Kinder eher ungünstig.
Weitere Ratgeber:
- Schadstoffe aus Bodenbelägen, Teil 1 – Linoleum
- Schadstoffe aus Bodenbelägen, Teil 2 – PVC
- Schadstoffe aus Bodenbelägen, Teil 3 – Kork
- Schadstoffe aus Bodenbelägen, Teil 5 – Kunstfaserteppiche (folgt)
- Schadstoffe aus Bodenbelägen, Teil 6 – Fliesen und Steinböden (folgt)
- Schadstoffe aus Bodenbelägen, Teil 7 – Laminat, Holzböden (folgt)
Gratis Abonnement
Wenn Ihnen der Beitrag gefallen hat, warum abonnieren Sie dann nicht Hausbau-Ratgeber.de gratis? Sobald ein neuer Beitrag zum Thema veröffentlicht wird, erhalten Sie ihn als Erstes! Erfahren Sie mehr über unsere unverbindlichen und kostenlosen Abonnements oder abonnieren Sie gleich hier kostenlos unserenNewsletter mit Ratgebertipps
Sie können sich jederzeit wieder abmelden und Ihre E-Mailadresse wird nicht weitergegeben!
Um diesen Beitrag zu speichern, können Sie auch ein Lesezeichen hinzufügen bei:







Hallo! Ich meine, man muss unter allen Umständen die Zertifikaten der Produkten sehen und natürlich gut informiert zu sein, was schädlich und was umwelt- und gesundheitsfreudlich ist, das ist einfach obligatorisch1
Hey Louisa,
vielen Dank für Ihre Meinung. Ja das stimmt. Vor allem wenn sie Kinder haben oder ältere Menschen im Umfeld sind, müssen sie sehr darauf achten!
liebe Grüße
Diskussion
Lesermeinungen!