Formaldehyd: Gefahr aus der Spanplatte
Formaldehyd reizt die Nasenschleimhaut und die Augen, und es kann Allergien auslösen. Doch wer denkt bei solchen Symptomen schon an ein Gift in den eigenen vier Wänden? Man sieht es nicht, und an den Geruch gewöhnt man sich schnell.
Formaldehyd ist in vielen Produkten enthalten, mit denen wir täglich zu tun haben. Meistens wissen wir aber nicht, dass wir dem Gift ausgesetzt sind. Zwar gelten gesetzliche Grenzwerte, doch die erlaubte Konzentration kann schnell überschritten werden. Zudem reagieren manchen Menschen besonders empfindlich auf Gifte.
Formaldehyd ist farblos und bei Zimmertemperatur gasförmig. Es zeichnet sich durch einen stechenden Geruch aus, der sogar bei geringer Konzentration wahrnehmbar ist. Die Substanz tötet Bakterien, Viren und Pilze und ist deswegen unter anderem in Haushaltsreinigern und Desinfektionsmitteln enthalten, aber auch in Farben und Lacken sowie in Bauprodukten. Formaldehyd ist Ausgangsstoff vieler Kunstharze und Leime, die etwa für Span- und Sperrholzplatten verwendet werden. Auch bei Beschichtungsfolien im Möbelbau und bei der Oberflächenversiegelung von Parkettfußböden kommt der Stoff zum Einsatz.
Freisetzung von Formaldehyd
Formaldehyd wird durch die Luftfeuchtigkeit freigesetzt
Formaldehyd wird durch die Luftfeuchtigkeit freigesetzt. Aus Spanplatten entweicht die Substanz, so lange Leim enthalten ist, der die Platte zusammenhält. Auch nach Jahrzehnten können die Emissionen festgelegten Richtwerte überschreiten.
Das Problem ist, dass mit Formaldehyd belastete Baustoffe oft nicht sichtbar sind, oder sich nur schwer und mit großem Aufwand entfernen lassen. So wurden etwa bis vor 20 Jahren UF-Ortschäume zur Wärmedämmung in Mauerhohlräumen und unter dem Dach genutzt. Diese Schäume enthalten Formaldeyhd und gasen jahrelang aus. Bei Fertighäusern werden Spanplatten mit Formaldehyd-Kleber von Tapeten, Möbeln oder Holzverkleidungen verdeckt, oder sie liegen unter dem Teppich.
Wie stark Formaldehyd ausdünstet, hängt von der Wohnraumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit ab, aber auch von der Wirksamkeit der Beschichtung. Die Intensität der Ausdünstung ist außerdem abhängig von der Zimmergröße und der Anzahl der belasteten Baustoffe beziehungsweise Möbel.

Photo: iStockphoto.com/ilbusca
Formaldehyd als Gefahr für die Gesundheit
Formaldehyd gelangt über die Haut, die Atemwege und den Verdauungstrakt in den Körper. Es kann die Zellen und das Erbgut schädigen, außerdem wirkt es toxisch. Häufig klagen Menschen über gereizte Schleimhäute. Diese Beschwerden klingen ab, wenn die Belastung abgestellt wird. Bei einer chronischen Einwirkung kann es zu Nervosität, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten kommen.
Wissenschaftlichen Studien zufolge kann Formaldehyd Tumore im Nasenrachenraum auslösen, wenn es eingeatmet wird. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat ermittelt, dass bis zu einer Konzentration von 124 Mikrogramm Formaldehyd pro Kubikmeter keine Schädigung zu erwarten ist. Bei einer wiederholten und deutlichen Überschreitung dieses Wertes können aber gesundheitliche Risiken bestehen.
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