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Das Fogging-Phänomen: Attacke des schwarzen Staubes

Geschrieben von Phil Mittwoch, 17 Juni 2009 Ihre Lesermeinung

Mehrere tausend Fälle des Fogging-Phänomens sind bekannt, die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Fogging steht im Englischen für Nebel. Gemeint sind schwarze Ablagerungen, die wie aus dem Nichts entstehen – und zwar vorwiegend in renovierten Wohnungen und Häusern. Als Auslöser gelten bestimmte Weichmacher und Lösemittel.

Manchmal sind nur einige schwarze Flecken zu erkennen. In anderen Fällen sieht die Wohnung aus, als hätte ein Schwelbrand stattgefunden. Ein rußähnlicher Schmierfilm überzieht Möbel, den Fußboden, Gardinen, einfach alles. Mitte der 90er Jahre wurden erstmals Meldungen über die plötzlichen Staubablagerungen bekannt. Das Umweltbundesamt prüfte daraufhin viele Fälle aus dem gesamten Bundesgebiet und befragte die betroffenen Bewohner.

Die Ergebnisse:

  • Die ölig-schmierigen Ablagerungen traten überwiegend in der Heizperiode auf.
  • Rußablagerungen von Schornsteinen, Kaminen und Heizungsanlagen sowie Einflüsse von außen scheiden als Ursache aus.
  • Der Staub setzt sich vorwiegend oberhalb von Heizkörpern ab, an Gardinen, Fensterrahmen, Kunststoffflächen und an kalten Innenseiten von Außenwänden.
  • Die meisten Wohnungen sind kurz vor dem Auftreten des Staubs renoviert oder neu gebaut worden – inklusive Maler- und Lackierarbeiten, neuen Fußböden oder Teppichböden, neuen Fenstern, neuer Dämmung.
staub fogging

Photo: iStockphoto.com/cgering

Weichmacher und Lösemittel

Als wesentliche Ursache des schwarzen Staubes gelten mittlerweile schwerflüchtige organische Verbindungen, die in die Raumluft gelangen. Diese Verbindungen können als Weichmacher und Lösemittel in Farben und Lacken enthalten sein, aber auch in Fußbodenklebern, PVC-Bodenbelägen, Kunststoff-Dekorplatten oder Holzlaminat-Paneelen. Die Stoffe sind meist nicht zu riechen und sind in der Regel weniger gesundheitsbedenklich als flüchtige organische Verbindungen. Sie gasen weniger stark in die Raumluft aus, dafür aber für einen längeren Zeitraum, mitunter zwei Jahre und länger.
Experten gehen von folgendem Verlauf aus: Die Renovierungsarbeiten sind im Sommer erfolgt, und zwar unter Einsatz schwer flüchtiger organischer Verbindungen. In der folgenden Heizperiode steigt die Konzentration der Stoffe in der Raumluft, weil weniger gelüftet wird. Die organischen Verbindungen können sich dann unter bestimmten Bedingungen mit den üblichen Schwebstaubpartikeln zu größeren Teilchen verbinden und setzen sich als schmierige Beläge ab.
Begünstigt wird das Phänomen durch zwei Dinge: Erstens deutet vieles daraufhin, dass die immer dichtere Gebäudehülle den schwarzen Staub begünstigt, weil der Luftaustausch eingeschränkt wird. Zweitens setzen Hersteller zunehmend schwerflüchtige organische Verbindungen ein, weil sie im Gegensatz zu den flüchtigen Verbindungen nicht als Lösemittel deklariert werden müssen – und das ist verkaufsfördernd.

Beseitigung

Ob von dem schwarzen Staub eine Gesundheitsgefahr ausgeht, ist umstritten. Einige Betroffene berichten etwa von Halskratzen oder Atemproblemen. Die festgestellten Konzentrationen an Weichmachern und Lösemitteln in der Luft liegen in den meisten Fällen deutlich unterhalb der Schwelle einer Gesundheitsgefährdung.
Dennoch muss der Staub entfernt und die Ursache gefunden werden – allein aus ästhetischen Gründen. So sollte man beim erneuten Renovieren eine Wandfarbe wählen, die tatsächlich frei von Lösemitteln ist. Neue Schränke sollten keine Weichmacher enthalten. Das Heizverhalten muss überprüft werden: Man sollte die Räume nie auskühlen lassen, sondern kontinuierlich heizen. Zusammen mit regelmäßigem Lüften beugt das auch der Schimmelbildung vor. Bauliche Mängel wie Wärmebrücken sind zu beheben. Kerzen und Öllampchen sollten seltener angezündet werden.
Der Staub muss in der Regel mit Spülmitteln und Kunststoffreinigern entfernt werden.

Unser Tipp: Betroffene können sich an die örtlichen Gesundheits- und Umweltämter oder an die Verbraucherzentrale wenden.

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