Sanierputz: Wirkungsweise von Opferputzen
Bauwerkssanierung = Mauerwerkstrockenlegung: Sehr oft fällt in diesem Zusammenhang der Begriff „Opferputz“. Der macht seinem Namen tatsächlich alle Ehre, denn er opfert sich für das Mauerwerk, nimmt Feuchtigkeit auf und transportiert Salze. Dafür steht er nicht besonders lange. Aber: Ist es sinnvoll, anstelle des Sanierputzes schlichten Kalkputz der Mörtelklasse 1 als Opferputz zu verwenden? Lesen Sie hier mehr dazu.
Kalkputz transportiert Feuchtigkeit ungehindert.
Durch Kalkputz, auch Kompressenputz genannt, können Feuchtigkeit und Salze ungehindert abtransportiert werden. Die kapillaren Eigenschaften des Putzes sorgen dafür, dass das Wasser Salze bis an die Oberfläche des Putzes transportiert. Dort kristallisieren sie. Man nennt diesen Vorgang auch ausblühen. Wie stark diese Ausblühungen tatsächlich stattfinden, hängt von der relativen Luftfeuchtigkeit an der Putzoberfläche, also der Verdunstungsebene, ab. Leider verschlechtert sich die Dampfdiffusion auf dem Putz bei zunehmender Kristallisierung der Salze rapide. Damit gerät der Kalkputz sehr schnell an seine Grenzen, denn er ist nun stark mit Salzen belastet und kann nicht mehr zu Entfeuchtung des Mauerwerks beitragen. Seine weiche Struktur wird von den Salzen rasch zerstört. Experten geben ihm unter diesen Umständen eine Standzeit von wenigen Monaten bis hin zu höchstens wenigen Jahren.
Vorteil: Kalkputz ist im Vergleich zu echtem Sanierputz die günstigere Variante des Opferputzes und kann hervorragend Salze transportieren – bringt aber leider eine begrenzte Kapazität mit sich. Und: Unabhängige Untersuchungen haben nach dem Ende der Standzeit von Kalkputz auf durchfeuchtetem Mauerwerk keine wesentliche Verringerung der Belastung des Mauerwerks durch Salze festgestellt.
Unsichtbare Sperre
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich zwischen dem Mauerwerk und Kalkputz eine sogenannte Schichtgrenze bildet, die den Abtransport der Feuchtigkeit behindert und damit dem Abtrocknungsprozess entgegenwirkt. Schuld daran könnten nach Meinung der Wissenschaftler Salzkristalle aus dem Putz sein. Sie verstopfen sozusagen die Poren des Mauerwerks auf einer sehr schmalen ebene unmittelbar unter der Oberfläche. Das heißt: Kalkputz gibt Salze nicht nur an die Oberfläche nach außen ab, sondern auch in das Mauerwerk hinein.
Unser Fazit:
Kalkputz ist eine günstige Variante, in beschränktem Umfang Feuchtigkeit und Salze aus dem Mauerwerk abzutransportieren. Es ist allerdings auch eine durchaus ineffektive. Darum wird von Experten empfohlen, das Mauerwerk nach einer Trockenlegung gar nicht mit Putz zu behandeln, sondern zunächst antrocknen zu lassen. Danach ist echter Sanierputz eine wirkungsvolle wie nachhaltige und langfristige Methode, der Feuchtigkeit und den Salzen im Mauerwerk den Kampf anzusagen.
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