Leitfaden Bauen Teil 9: Die gebrauchte Immobilie 3/3: Gebrauchte Fertigteilhäuser
Der Kauf einer gebrauchten Immobilie hängt von vielen Faktoren ab. Eine erste Entscheidung wird der Käufer zwischen dem klassischen Massivhaus oder einem gebrauchten Fertigteilhaus fällen müssen. Letztere waren ihren massiven Pendants aus gleicher Zeit deutlich überlegen. Aber: Auch diese Häuser sind inzwischen in die Tage gekommen und müssen sich an modernen Anforderungen messen lassen.
Ein Fertigteilhaus können Sie energetisch sanieren.
Fertighäuser haben in Deutschland an Marktanteilen gewonnen, wobei klar gesagt werden muss, dass Angebot und Nachfrage lange in keinem gesunden Verhältnis mehr standen. Inzwischen bereinigt sich der Markt. Durchsetzen werden sich jene Anbieter, die die Vorteile des Fertigbaus auch ausspielen können, ohne dabei an Qualität zu verlieren. Zurück zum Thema, zu den gebrauchten Fertigteilhäusern. Vor rund 40 Jahren galten sie eher als Pappschachteln mit Fenstern und Türen. Niemand wollte recht glauben, dass man in so einem Haus wirklich lange wohnen kann. Beim ersten Sturm würden die Besitzer schon merken … Das war natürlich Quatsch und fällt unter die typisch menschlichen Vorbehalte allen Innovationen gegenüber. Fakt ist: Wer vor gut 40 Jahren ein Fertigteilhaus gebaut hat, durfte sich sicher sein, seinen
Wärmeenergiebedarf im Vergleich zu Massivhäusern aus gleicher Zeit deutlich gesenkt zu haben. Doch dieser Vorsprung gilt bei den heutigen Anforderungen an Gebäude längst nicht mehr. Sowohl die alten Massivhäuser als auch die in die Tage gekommenen Fertigteilhäuser entsprechen energetisch nicht annähernd den Vorgaben der EnEV. Nun lässt sich ein Massivhaus relativ problemlos energetisch sanieren. Bleibt nur eine Frage: Kann man auch ein gebrauchtes Fertigteilhaus energetisch sanieren? Antwort: Eindeutig ja.
Dämmung austauschen
Wer in ein gebrauchtes Fertigteilhaus tritt, hat manchmal den Eindruck, es rieche nach „alt“ oder gar etwas modrig. Wasserschaden? Nein, zumindest nicht zwingend. Die Dämmung eines alten Fertigteilhauses dünstet durch die Innenwände aus und entwickelt diesen muffigen Geruch. Das ist nicht gefährlich, muss aber nicht sein. Diese Schwachstelle lässt sich einzig durch Austausch des Dämmstoffes erreichen. In diesem Zuge sollten Sie darauf achten, dass die neu eingebrachte Dämmung fachgerecht verarbeitet wird, sprich möglichst ohne Wärmebrücken.
Die Außenschale
Jetzt schlagen die Baubiologen und Gesundheitsexperten die Hände über dem Kopf zusammen. Wie so oft zu damaliger Zeit, hat man auch bei Fertigteilhäusern Werkstoffplatten benutzt, die mit Asbest belastet sind, hier nun für die Außenbeplankung. Wer sich ältere Fertighäuser ansieht, erkennt diese typische Charakteristik der Fassade an den Plattenelementen. Experten wissen: Asbest wird dann gefährlich, wenn man in die Struktur eines Baustoffes geht. In diesem Fall heißt das: Bohrt man ein Lock in diese Plattenelemente, entwickelt sich Staub, der mit Asbest belastet ist. VORSICHT! Das ist hochgradig gefährlich. Aber: Um ein Fertigteilhaus energetisch sanieren zu können, müssen diese Platten weg. Lassen Sie das einen Experten übernehmen. Denn der sorgt nach der Demontage auch für die fachgerechte Entsorgung. Asbestbelastete Baustoffe gelten als Sondermüll!
Sind die Wände Ihres alten Fertigteilhauses einmal offen, können Sie für eine effektive und gesunde Dämmung sorgen. Das funktioniert problemlos und wird vom Tischler erledigt.

Photo: iStockphoto.com/pixac
Dach, Fenster, Türen und Heiztechnik
Das Dach eines Fertigteilhauses lässt sich in der Regel problemlos energetisch aufpeppen. In vielen Fällen kommt es einfach auf eine exakte Arbeitsausführung an. Der Dämmstoff muss fugenlos zwischen die Sparren gebracht und mit speziellem Dichtband verklebt werden. Kritische Zone ist der Kniestock. Wer eine zusätzliche Dämmwirkung erreichen will, sollte über eine ergänzende Aufdachdämmung nachdenken.
Für Fenster und Türen gilt: Rahmen und Glas bilden eine energetische Einheit. Der Rahmen sollte fachgerecht mit speziellem Dichtband eingesetzt werden. Überlassen Sie das einem Experten. Der kennt die exakten Vorschriften für einen „luftdichten“ Einbau.
Für die Modernisierung der Heiztechnik gibt es keine pauschalen Vorgaben, abgesehen von den geforderten Werten der EnEV. Im Nachteil sind klar Besitzer jener Häuser, die über eine Nachtspeicherheizung verfügen. Selbst modernste Geräte dieser Art werden von Experten sowohl aus energetischer als auch aus klimatischer Sicht in Frage gestellt. Ab 2012 dürfen diese Geräte nicht mehr neu eingebaut werden. Der Haken: Nachtspeicherheizungen sind nicht an ein Rohrleitungssystem gekoppelt. Das gibt es in diesen Häusern nicht. Oft gibt es auch keinen Brenner mit Warmwasserspeicher. Denn die Wassererwärmung funktioniert über Durchlauferhitzer. Wer das Heizsystem tauschen will, ist unbedingt auf Expertenrat angewiesen. Lassen Sie sich ALLE möglichen Lösungen für die Modernisierung der Heizung erklären. Denn derer gibt es unzählige. Immerhin sind Sie drauf und dran, ein komplettes Leitungssystem in ihrem Haus installieren zu lassen. Das will durchdacht sein.
Noch ein Tipp: Wasserleitungen und die Stromversorgung entsprechen auch in alten Fertigteilhäusern nicht mehr den heutigen Anforderungen. Wenn Sie die Wände Ihres Fertigteilhauses einmal öffnen, sollten Sie prüfen, ob hier noch alles stimmt. Alte Wasserleitungen können korrodieren oder an Nahtstellen einfach undicht werden. Der daraus resultierende Schaden wäre dramatisch.
Weiterer Ratgeber dazu:
- Leitfaden Baujen, Teil 1
- Leitfaden Bauen, Teil 2
- Leitfaden Bauen, Teil 3
- Leitfaden Bauen, Teil 4
- Leitfaden Bauen, Teil 5
- Leitfaden Bauen, Teil 6
- Leitfaden Bauen, Teil 7
- Leitfaden Bauen, Teil 8
- Leitfaden Bauen, Teil 10 (folgt)
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