Leitfaden Bauen Teil 4: Die Wahl der Bauweise
Im Norden werden die Häuser verblendet, im Süden mit Putzfassade versehen. Im Norden baut man weniger Fertigteilhäuser, im Süden deutlich mehr – nein so strikt lässt sich die regionale Linie nicht mehr ziehen, aber: Die Wahl der richtigen Bauweise ist nach wie vor auch eine Frage von regionalen Zwängen, von Traditionen und der Lebenseinstellung. Welcher Typ Bauherr sind Sie? Lesen Sie Teil 4 des Leitfadens Bauen: massiv oder fertig, passiv oder null Energie.
Massiv gibt es auch fertig.
Der Volksmund spricht von einem Massivhaus, wenn es Stein auf Stein gebaut worden ist. Dann hält es für Generationen. Letzteres mag stimmen, trifft aber wohl auf alle Bauweisen zu. Ersteres ist ein Trugschluss. Massiv muss nämlich nicht Stein auf Stein sein. Auch ein Haus aus Schalungselementen aus Styropor, die mit Beton verfüllt werden, gilt als Massivhaus. Selbst ein Blockhaus wird Massivhaus genannt. Und jetzt kommt der Clou: Es gibt massive Fertigteilhäuser. Komplette Wandelemente, zum Beispiel aus dem Rohstoff Liapor, werden im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch gerichtet.
Fazit: Wer von massiv spricht, muss den Begriff exakt definieren.
Nur noch eine Frage der Philosophie.
Die Entscheidung zwischen einem Massivhaus in herkömmlicher „Stein-auf-Stein-Bauweise“ und einem klassischen Fertigteilhaus, das inzwischen sehr innovativ daher kommt, ist längst nur noch eine Frage der Philosophie. Die Preise für Fertigteilhäuser gleichen inzwischen denen für „Stein-auf-Stein-Häuser“. Beide Bauweisen müssen die Vorgaben der EnEV erfüllen, beide müssen sich an gesetzliche Normen halten, was Ausführung und Material betrifft, beide müssen sich an der Qualität messen lassen. Und trotzdem unterscheiden sie sich deutlich:
Massivhaus
- Lange Bauphase auf der Baustelle
- Viel Feuchtigkeit im Bau, darum lange Trocknungszeiten
- Eigenschaften des Baustoffs beachten
Fertigteilhaus
- Kurze Bauphase auf der Baustelle
- Wenig bis keine Feuchtigkeit im Mauerwerk – kein Trockenwohnen nötig.
- Sehr innovativer Wandaufbau – sogar mit massiven Elementen.
Sowohl Massiv- als auch Fertigteilhäuser lassen sich mit Klinkern verblenden oder einfach nur verputzen. Beide Bauweisen gibt es als Selbstbauhäuser. Und beide können Sie als Niedrigenergie-, Passiv- oder Null-Energiehaus planen und bauen.
Übrigens: Fertigteilhäuser galten lange Zeit als hellhörig. Das ist Vergangenheit. Der Schallschutz wurde deutlich verbessert, was übrigens auch für den Trittschallschutz gilt. Und: Vor Feuer müssen Sie sich in einem Fertigteilhaus auch nicht fürchten. Jeder Baustoff durchläuft eine strenge Prüfung, bevor er in Deutschland zugelassen wird.
Unser Fazit: Es gibt ebenso viele Argumente für ein Massivhaus in “Stein-auf-Stein-Bauweise” wie es sie für ein Fertigteilhaus gibt. Viel wesentlicher ist die Frage, wie Sie Ihr Haus planen wollen: als Niedrigenergiehaus, Passivhaus oder Null-Energiehaus. Lesen Sie dazu unseren Leitfaden Bauen, Teil 5.
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