Fachwerk: uralt und bewährt
Fachwerkhäuser strahlen eine ganz eigene Atmosphäre aus – Beständigkeit, Gemütlichkeit. Und sie können ein Musterbeispiel für ökologisches Bauen sein. Übrigens: Ein Fachwerkhaus muss nach außen nicht immer als solches erkennbar sein. Was vielen als Bausünde gilt, nämlich das verputzte Fachwerk, ist vielerorts üblich. Die Vorteile des Fachwerkhauses verschwinden deswegen nicht!
Die ersten Fachwerkbauten sind aus dem 12. Jahrhundert bekannt, und bis ins 19. Jahrhundert hinein war der Fachwerkbau die am meisten verbreitete Bauart nördlich der Alpen. Das System hatte sich vor allem aus zwei Gründen durchgesetzt: Erstens war es leichter, Holz zu beschaffen als Steine, und das Holz ließ sich auf Flößen relativ gut über die Flüsse transportieren. Zweitens wurde der Lehm zum Ausfachen oft in der Nähe des Bauortes oder sogar aus der Baugrube ausgegraben. Das Ende des flächendeckenden Fachwerkbaus ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass das Bauholz knapp und damit teurer wurde. Außerdem waren die oft dünnen Wände sehr reparaturanfällig. Mehr und mehr setzte sich der Massivbau durch.
Ständerbau oder Rähmbau?
Man unterscheidet beim Fachwerkhaus zwei Arten der Verzimmerung: den Ständerbau und den sogenannten Rähmbau. Beim Ständerbau verlaufen die Wandständer durchgehend von der Schwelle bis zum Traufrähm. Beim Rähmbau wird jedes Stockwerk in sich geschlossen hergestellt. Das obere Geschoss ragt dabei in der Regel über dem unteren Stockwerk hervor. Das übrigens nicht nur konstruktionsbedingt. Man hat auf diese Weise auch Wohnfläche geschaffen. Denn Bauland war in den Städten schon immer rar und teuer.
Experten nennen drei wesentliche Fachwerk-Stilrichtungen: Das alemannische Fachwerk in Südwestdeutschland, das fränkische Fachwerk in Franken, Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Nordrheinwestfalen sowie das niedersächsische Fachwerk in Norddeutschland. Auffällig sind die oft zahlreichen Schmuckelemente – etwa Schnitzereien oder das Andreas-kreuz.
Vor allem ab dem 18. Jahrhundert wurden Fachwerkwände verkleidet, und zwar mit Holz, Schiefern, Putz oder Steinen. Das geschah teils aus Brandschutz, teils aus optischen Gründen. Bei diesen Häuser sollte das Fachwerk also von vornherein nichts sichtbar sein. Im Zuge von Stadtsanierungen werden viele dieser Häuser heute freigelegt. Experten streiten, ob das sinnvoll ist, auch wenn es sicher reizvoll aussieht, oder ob man die Häuser verkleidet lässt und damit ihren tatsächlichen, ursprünglichen Zustand wahrt. Fakt ist: Eine mit Holz, Schiefer oder Dachpfannen verkleidete Fachwerkwand ist vor Witterungseinflüssen optimal geschützt.

Photo: iStockphoto.com/Sophonibal
Die Konstruktion des Fachwerk
Beim Fachwerkbau spricht man auch vom Skelettbau. Sehr oft wurde und wird Eichenholz verwendet, aber auch Fichte oder Lärche. Diese Hölzer sind witterungsbeständig und vergleichsweise hart. Die Konstruktion besteht aus senkrechten Hölzern, den Pfosten oder Ständern, die die Hauptlast tragen, und aus den waagerechten Hölzern, die als Riegel, Pfette, Rähm oder Schwelle bezeichnet werden. Diagonale Balken zwischen den geschossen heißen Streben. Sogenannte Bänder verlaufen meist im Winkel von 45 Grad und sollen das Skelett stabilisieren. Die Hölzer werden verzapft oder mit Holznägeln verbunden.
Die Hölzer wurden übrigens nicht gesägt, sondern gebeilt, damit sie ihre rechteckige Form bekommen.
Die Zwischenräume des tragenden Gerüsts sind gefüllt beziehungsweise ausgefacht, zum Beispiel mit Holz und Lehm oder mit Ziegelsteinen.
Fachwerk heute = ökologisch bauen
..und Holz ist ein hervorragender Kohlendioxid-Speicher
Einige Unternehmen bieten an, alte Balken aus abgerissenen Häusern für den Fachwerk-Neubau zu verwenden. Wer dies tut, handelt gleich doppelt ökologisch – sofern diese Hölzer nicht erst über tausend Kilometer heran gefahren werden müssen. Je mehr Rohstoffe, also Holz und vor allem auch Lehm, in der näheren Umgebung gewonnen werden können, um so besser ist die Energiebilanz des Hauses. Hinzu kommt, dass Holz und Lehm durch ihre bauphysikalischen Eigenschaften ein sehr gutes Wohnklima schaffen. Nicht zu vergessen ist ihr Beitrag zum Klimaschutz. Beide Baustoffe zählen zu den erneuerbaren Energien, und Holz ist ein hervorragender Kohlendioxid-Speicher.
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