Energie sparen: Wie luftdicht ist Ihr Haus?
Wenn ein Gebäude nicht luftdicht ist, hat das gleich doppelt negative Folgen: Erstens geht Heizenergie ungenutzt verloren. Zweitens schädigt feuchte Raumluft die Bausubstanz. Ein Blower-Door-Test zeigt, wo Luft ungewollt entweicht oder eindringt.
Ein Haus muss atmen, es muss Ritzen und Fugen haben. Diese Weisheit hält sich seit Jahrzehnten hartnäckig – dabei ist sie schlichtweg falsch. Denn auf diese Weise kommt es zum unkontrollierten Luftwechsel: Es gelangt zu viel oder zu wenig Frischluft ins Haus. Heizenergie verschwindet fast ungenutzt. Schadstoffe und Partikel aus der Dämmung mischen sich in die Raumluft. Warme Raumluft dringt in die Außenwand, kühlt sich dort ab, kondensiert und fördert die Bildung von Schimmel und Pilzen – Bauschäden und gesundheitliche Probleme können die Folge sein. Die Dämmung durchfeuchtet und verliert ihre dämmende Wirkung.
Deswegen gilt: Der Luftaustausch im Haus sollte ausschließlich über mehrmaliges Öffnen der Fenster erfolgen, oder über eine Lüftungsanlage. Dies setzt allerdings voraus, dass die Gebäudehülle rundherum dicht ist. Für Neubauten gelten mittlerweile strenge Anforderungen, bei älteren Gebäuden sind undichte Stellen hingegen weit verbreitet.
Die Luftdichtheit eines Gebäudes kann an vielen Stellen beeinträchtigt sein: Verbindungen und Stöße von Bauteilen, Rohr- und Kabeldurchführungen durch die luftdichte Schicht, Stoßstellen verschiedener Baumaterialien, Fenster- und Türlaibungen, Anschluss der Massivwand ans Steildach, Rollladenkästen.
Funktionsweise des Blower-Door-Tests
Sinnvoll: Blower-Door-Test mit Wärmebildaufnahmen kombinieren.
Mithilfe eines Blower-Door-Tests lassen sich Leckagen schnell ermitteln. Man spricht dabei auch vom Differenzdruck-Messverfahren. Übersetzt heißt es: Gebläse-Tür-Messung. Und so funktioniert der Test: In ein geöffnetes Außenfenster, in die Terrassen- oder Außentür wird ein Rahmen eingesetzt, der mit Folie bespannt ist. In einer Öffnung der Folie befindet sich ein Ventilator. Alle Innentüren bleiben geöffnet, Fenster und Türen nach draußen müssen geschlossen sein, ebenso der Kamin.
Der Ventilator erzeugt nun einen Unter- oder Überdruck, das heißt, er zieht Luft aus dem Gebäude heraus oder drückt Luft hinein. Auf jeden Fall muss im Vergleich zum Umgebungsdruck eine Differenz von 50 Pascal entstehen. Messinstrumente erfassen die Druckdifferenz und die Luftmenge, die der Ventilator transportiert.
Von einem luftdichten Gebäude spricht man dann, wenn die Luft im Gebäude unter Prüfbedingungen höchstens dreimal pro Stunde ausgetauscht wird. So verlangt es die Energie-Einspar-Verordnung. Bei Häusern mit Lüftungsanlage darf der Austausch sogar nur anderthalbmal erfolgen. Diese Menge entspricht dem Luftvolumen, dass durch undichte Stellen verschwinden darf.
Sind Leckagen vorhanden, strömt durch sie während des Tests Luft hinein oder hinaus. Größere Stellen lassen sich bereits mit der Hand erfühlen. Kleinere werden zum Beispiel durch Theaternebel sichtbar gemacht. Es ist auch sinnvoll, den Blower-Door-Test mit Wärmebildaufnahmen zu kombinieren. Dann werden auch undichte Stellen sichtbar, die nicht oder nur schlecht zugänglich sind.
Zeitpunkt der Messung vom Blower-Door-Test
Am sinnvollsten ist der Blower-Door-Test bei Neubauten, und zwar bevor die Innenverkleidungen angebracht sind. Denn dann können Mängel noch mit geringem Aufwand beseitigt werden. Grundsätzlich kann die Messung aber bei jedem Gebäude durchgeführt werden. Energetische Maßnahmen wie der Einbau moderner Heizsysteme oder Fenster entfalten ihr energiesparendes Potential zum Beispiel erst, wenn undichte Stellen in der Gebäudehülle beseitigt sind.
Nützliche Ratgeber dazu:
- Infrarot-Kamera zeigt Wärmeverluste
- Der Staat fördert Energieberatung
- Energieausweis: Damit Sie wissen, was Ihr Haus verbraucht.
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