Die Energieeinsparverordnung: Eine Begriffserklärung – Teil 1
Was ist der Primärenergiebedarf eines Hauses? Können Sie erklären, was mit dem Primärenergiekennwert gemeint ist? Diese und andere Begriffe werden seit der Energieeinsparverordnung, EnEV, ständig benutzt und doch gern mal verwechselt oder ungenau definiert. Wir haben mal nachgelesen und fünf Fachbegriffe rund um die EnEV, die Energieeinsparverordnung, aufgeschrieben und definiert.
Die EnEV: Vom Bedarf über den Kennwert bis zur Brücke
Die Energieeinsparverordnung, EnEV, ist ein sehr komplexes Werk, das voll von Fachbegriffen steckt, die ein Laie nicht unbedingt alle kennen muss. Dafür gibt es schließlich Fachleute. Ein paar Grundbegriffe aber sind recht spannend. Und wer sie kennt, der ahnt zumindest, was ein Energieberater oder ein Sachverständiger so anstellt, wenn er wichtige Eckpunkte für einen Energieausweis ermittelt. In der Folge klären wir diese Begriffe:
- Primärenergiebedarf
- Wärmebrücken
- Primärenergiekennwert
- Luftdichtigkeit
- Blower-Door
Was ist eine Wärmebrücke?
Sie kennen sicher noch den alten Begriff, die Kältebrücke. Beide beschreiben das gleiche Übel, die Wärmebrücke aber ist logischer. Mit der EnEV wird gesetzlich geregelt, dass die Wärmebrücken unbedingt berücksichtigt werden müssen. Laut EnEV gilt eine Wärmebrücke als Bauteil oder Bereich, in dem mit einem erhöhten Wärmeverlust gerechnet werden darf oder sogar muss. Tatsächlich sind es Anschlussfugen zwischen zwei verschiedenen Baustoffen oder Bauteilen. Wo können Wärmebrücken entstehen?
- Fensteranschlüsse an Wände
- Deckenauflager zwischen zwei Geschossen
Schlecht oder nicht abgeklebte Zwichensparrendämmung im Dachbereich wird landläufig auch als Wärmebrücke bezeichnet. Auch Fugen im Wärmedämmverbundsystem oder nicht gedämmte Fensterlaibungen werden als Wärmebrücke bezeichnet. Die EnEV sagt: Wärmebrücken müssen nach Möglichkeit unbedingt vermieden werden, denn das Ziel ist ein nahezu luftdichtes Haus. Ideal wäre also eine nahezu fugenfreie Gebäudehülle.
Ergänzung: Wenn Sie den Begriff „Kubus” lesen, so ist damit der gesamte Baukörper gemeint, der nach außen natürlich mit der Gebäudehülle abgeschlossen wird. Der Kubus, also Baukörper, ist wichtig, wenn es um das sogenannte A/Ve-Verhältnis geht. Beschrieben wird damit das Verhältnis von wärmeübertragender Umfassungsfläche A zum beheizten Gebäudevolumen (Ve). Je größer die Umfassungsfläche in Bezug auf das Gebäudevolumen ist, desto ungünstiger wird der Wert, das heißt, desto höher stellt sich der Wärmeverlust über die Gebäudehülle ein. Experten vergleichen diesen Aspekt gern mit den Kühlrippen eines Motors: kleines Volumen, große Umfassungslfäche, hoher Kühleffekt, also Wärmeverlust. Für ein ideales A/Ve-Verhältnis ist ein quadratischer Grundriss ohne jeden Erker mit einem Dach ohne jede Gaube.
Hinweis: Es gibt inzwischen Bausysteme, die nahezu jeden architektonischen Wunsch zulassen, und das bei extrem geringem Wärmeverlust über die Umfassungsfläche, die Gebäudehülle. Nun wird damit das A/Ve-Verhältnis nicht außer Kraft gesetzt, aber: Ist die Gebäudehülle frei von Wärmebrücken, Fugen, und dazu exzellent gedämmt – auch ohne Wärmebrücken, kann man dem A/Ve-Verhältnis ein Schnippchen schlagen.
Weitere nützliche Ratgeber:
- Gute Dämmung hält auch Wärme draußen
- Die EnEV und ihre Missverständnisse, Teil 1
- Die EnEV und ihre Missverständnisse, Teil 2
- Die EnEV und ihre Missverständnisse, Teil 3
- Die Energieeinsparverordung: Eine Begriffserklärung, Teil 2
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